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Präzision, Koordination und innovative Technik als Schlüssel zum Erfolg

Kategorie: Referenzen

Die vorbereitenden Arbeiten für Abriss und Neubau einer Rohrbrücke über die Emscher stellten die Baupartner vor nicht alltägliche Herausforderungen. „Kein Platz, keine Möglichkeiten und viele Anforderungen bezüglich Verkehr und Wasser“ – so charakterisiert Oliver Knipping, Technische Leitung Klaus Martin Hochbau-Tiefbau GmbH, Rhede, das außergewöhnliche Projekt. In dieser Situation haben neben einem perfekten Projektmanagement und der baulichen Kompetenz des ausführenden Unternehmens auch die maßgeschneiderten technischen Lösungen der terra infrastructure GmbH maßgeblich zum Erfolg der ersten Projektphase beigetragen.

Der Neubau der alten Rohrbrücke an der Straße „Lichtenhorst“ zwischen Ebel und Welheimer Mark war nötig, um Platz für den geplanten Ausbau der A42 auf sechs Spuren zu schaffen. Im Herbst 2024 begannen die vorbereitenden Bauarbeiten für das Einheben der neuen Brückensegmente, das im Juni 2025 während einer 72-stündigen Vollsperrung erfolgte. Die Klaus Martin Hochbau-Tiefbau GmbH war für die Tiefbauarbeiten, Baustelleneinrichtung, Neubau der Brückenfundamente und den Abbruch des Stahlbetonskeletts, der Widerlager und Stahlbetonbinder der alten Brücke zuständig. Die neue Brücke verfügt über eine größere Spannweite, um den erhöhten Verkehrs- und Raumanforderungen der nächsten Jahrzehnte gerecht zu werden.

Spezielle bauliche Maßnahmen erforderlich
Insbesondere die Lage des Baufeldes, welche durch die unmittelbare Nähe von Straßen- und Zugverkehr sowie Arbeiten auf dem Emscherdeich gekennzeichnet war, drückten dem Projekt seinen Stempel auf. „Aufgrund der vergrößerten Spannweite benötigte die neue Brücke nur drei statt fünf Fundamente, was spezielle bauliche Maßnahmen erforderte“, erklärt Knipping. Insbesondere für das Mittel- und Nordfundament mussten innovative Provisorien geschaffen werden, um den engen Platzverhältnissen gerecht zu werden. Hier erwies sich der Einsatz der Technologie von terra infrastructure nach Meinung des Projektleiters als zielführend. Unter anderem bestand die Aufgabe darin, für das Mittelfundament der neuen Rohrbrücke eine Trägerbohlwand mit Stahlausfachung und Rückverankerung zu errichten – eine sensible Maßnahme aufgrund des Deichs der Emscher, die von der Emscher-LippeGenossenschaft überwacht wurde. Darüber hinaus war für die beiden benötigten 1.000-Tonnen-Mobilkrane eine zusätzliche Sicherung mittels Spundwand erforderlich, die mit handelsüblichem Baugerät eingebracht wurde. Dank individueller Lösungen von der terra infrastructure war dies mit einem 25–30-Tonnen-Bagger möglich.
Stabilisierung des Baufeldes

Zur Vorbereitung des Untergrundes zwischen der A42 und der Emscher für den Schwerlastverkehr wurden mithilfe eines Bohrpfahlgeräts vier Bohrungen bis zu einer Tiefe von 20 Metern durchgeführt. Eine zusätzliche Herausforderung bestand darin, dass die marode Brücke der A42 für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt war. Daher wurde in unmittelbarer Nähe eine spezielle Fläche für Schwerlaster eingerichtet, die als Ent- und Umladeplatz diente. Bei der Erstellung des benötigten Kranstellplatzes parallel zur A42 wurde eine 60 Meter lange Spundwand aus sieben Meter langen Larssen 603 Doppelbohlen als Böschungssicherung eingebracht. „Dieses Spundwandprofil verfügt über ein optimiertes Gewicht und hohe Tragfähigkeiten“, sagt Andrej Schwarz, Leiter Technisches Büro Profiltechnik, terra infrastructure. „Es bietet eine verbesserte Bohlengeometrie für mehr Leistung bei der Ausführung und ist besonders geeignet für Projekte mit hohen Anforderungen an die Rammbarkeit und Wirtschaftlichkeit.“

Für das Einrammen setzte die Klaus Martin Hochbau-Tiefbau GmbH einen Kettenbagger mit einem Einsatzgewicht von 26 Tonnen ein. Er wurde mit dem Vibrationshammer MS-7 HFB der terra infrastructure-Eigenmarke MÜLLER ausgerüstet. „Die HFB-Serie wurde 2022 einem Facelifting unterzogen, wobei die diversen Modifikationen speziell auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt wurden“, so Schwarz weiter. Features wie ein autarker Betriebsstundenzähler, eine Lecköldruckabsicherung, ein Getriebeölkühler sowie ein 360° Rotator und ein modifizierter Schnellwechsler sorgen dabei ebenso für ein sorgenfreies Plug & Play des Kunden wie die Möglichkeit des Freireiter-Betriebs. „Der MS-7 HFB zeichnet sich durch eine hohe Fliehkraft von 604 Kilonewton (kN), einem statischen Moment von sieben Kilogramm-Metern (kgm) und einer Zugkraft von 150 kN aus“, beschreibt Schwarz die Leistungsparameter des Gerätes. „Mit einem Rotator kann der Hammer flexibel ausgerichtet werden, um die Spundbohlen präzise zu positionieren. Ein Rammgalgen dient der Verlängerung und verbessert die Einbringbarkeit der Bohlen.“

Moderne Technik ermöglicht den Einsatz kleinerer Baugeräte

Für die Herstellung der Baustelleneinrichtungsfläche für Großbohrpfähle und zur Herstellung eines Rohrbrückenfundamentes setzte das bauausführende Unternehmen eine 25 Meter lange Trägerbohlwand mit Stahlblechausfachung und Rückverankerung ein. „Dabei wurde die Wand mit einer Rückverspannung (hier Totmannsicherung) gesichert, um den Erddruck aufzunehmen und die Stabilität zu erhöhen“, so Knipping weiter. Hierfür lieferte terra infrastructure mittelschwere Breitflanschträger HEB 300 mit einer Baulänge von neun Metern. Auch für eine 8,50 Meter lange Trägerbohlwand mit Betonausfachung, die zur Bodensicherung unter einem Rohrbrückenfundament benötigt wurde, kamen HEB 300-Träger zum Einsatz – diesmal mit einer Baulänge von 9,50 Metern. Das Rammen dieser Träger erfolgte mit einem Vibrationshammer MS-4 HFB. Sechs Meter lange Träger und das gleiche Equipement nutzte das ausführende Unternehmen zur Herstellung einer 45 Meter langen Trägerbohlwand für die Herstellung einer Baugrube für ein weiteres Brückenfundament. Sie wurde als klassischer Berliner Verbau ausgeführt.

Schweres Gerät für das Einheben der neuen Brücke

Im Rahmen des Projekts wurden zwei Raupenkräne in Einzelteilen geliefert und vor Ort zusammengesetzt. Während einer am Hafen verblieb, wurde der andere zur Rohrbrücke über die Autobahn transportiert und bis zum Lichtenhorst gebracht. „Der fast 1000 Tonnen schwere Raupenkran benötigte für seinen Transport die gesamte A42. Da die Brücke einer derartigen Belastung nicht standgehalten hätte, erfolgte die Anlieferung ausschließlich über den Hafen“, erläutert Knipping. Auch die einzelnen Segmente der neuen Rohrbrücke wurden per Schiff geliefert, wofür das Hafenbecken zuvor extra vertieft werden musste. Im Juni wurden die Segmente der neuen Brücke wie vorgesehen eingehoben und an den Endstücken sorgfältig zusammengeschweißt. Um die Stabilität und Qualität der Schweißnähte sicherzustellen, erfolgte eine abschließende Prüfung mittels Röntgenverfahren. Rund 200 Personen waren während der hierfür vorgesehenen 72-stündigen Sperrfist rund um die Uhr im Einsatz. In dieser Phase musste laut Projektleiter Knipping sowohl einer der beiden Krane umgesetzt als auch die Fahrspuren der A42 verlegt werden.

Das bei diesem außergewöhnlichen und hochkomplexen Projekt alle Arbeiten wie ein Uhrwerk abliefen, führt Knipping auf das hervorragende Projektmanagement und das Engagement aller beteiligten Baupartner zurück, die gemeinsam eine bautechnische und logistische Höchstleistung abgeliefert hätten. Gleichzeitig äußert er sich positiv über die Technik, den Service und die Leistungsstärke der terra infrastructure. „Das technische Equipment, aber auch die Kompetenz, jederzeit zielführende Lösungen in die Zusammenarbeit einzubringen, konnten ebenso überzeugen wie das Vermögen, Material in jeder gewünschten Menge umgehend zur Baustelle liefern zu können.“